Das Bioenergiedorf

Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung
der Universität Göttingen
Dieses Projekt wird gefördert durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR),
Projektträger des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. (BMVEL)
Georg August Universität Göttingen Geowissenschaftliches Zentrum Göttingen
 

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IBR - Göttinger Institut für Bioenergie und Regionalentwicklung e.V.

 

 

 

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Agrarwissenschaft: PD Dr. Marianne Karpenstein-Machan

1. Biomasse - eine regionale Energiequelle

Triticale –Weizen Ganzpflanzenernte Substrat für die Biogasanlage

Biomasse ist eine regionale Energiequelle, sie fällt in den ländlichen Regionen in großen Mengen in der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft und den Kommunen an. Aufgrund ihrer im Vergleich zu fossilen Rohstoffen geringen Energiedichte, sollte sie dort wo sie anfällt oder produziert wird, auch verarbeitet und in Energie umgewandelt werden. Die Energie- und Emissionsbilanzen der heimischen Energieträger sollten nicht durch lange Transportwege beeinträchtigt werden.
Biomassen können auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden (Getreide, Mais, Sonnenblumen, Raps u.v.m.), darüber hinaus sind aber auch Reststoffe aus der Landwirtschaft (Gülle, Stroh), der Forstwirtschaft (Durchforstungsholz) und den Kommunen (Grasschnitte, Baum- und Strauchschnitt) energetisch nutzbar.


2. Große Energiepotenziale auf Ackerflächen und im Wald

Durch die Landwirtschaft können die größten Mengen an Biomasse bereitgestellt werden. Im ländlichen Raum und insbesondere auf den Ackerflächen sind große Potenziale vorhanden, die energetisch genutzt werden könnten, ohne dass eine Konkurrenzsituation zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion entsteht (Literatur hierzu: Leible 1995; Wintzer et al. 1993;  Hoffmann, 1996;  Scheffer et al. 2003; Karpenstein-Machan, 2005).

Der Anbau von Energieträgern auf dem Acker sollte ökologischen Leitlinien folgen, denn eine notwendige Energiewende mit starker Forcierung des Biomasseanbaus zu energetischen Zwecken darf nicht zu weiteren Umweltbelastungen der Agrarökosysteme führen (Ammermann 2002, Musiol 2003). Im Gegenteil, die einmalige Chance mit dem Einstieg in den Energiepflanzenbau sowohl Ziele des Naturschutzes als auch ökonomische Ziele zu verwirklichen, sollte konsequent ergriffen werden (Karpenstein-Machan, 2003).

Triticalebestand

Die energetische Biomasseverwertung stellt für landwirtschaftliche Betriebe eine neue Absatzmöglichkeit dar. Für den Biomasseanbau auf diesen Flächen bestehen gegenwärtig Nutzungskonzepte, die im Interesse einer umweltschonenden Produktion auf Pflanzenschutzmittel weitestgehend verzichten und auch die Düngung so ausrichten, dass das Grundwasser nicht belastet wird (SCHEFFER / STÜLPNAGEL 1993; KARPENSTEIN-MACHAN 1997, 2005).

 

 

 

Zusätzlich Potentiale ergeben sich in der Landwirtschaft dadurch, dass Stroh als Koppelprodukt der Getreideproduktion häufig nicht mehr verwertet wird. Es steht damit ebenfalls als potentielle Biomasse für die energetische Nutzung zur Verfügung. Da Stroh im Vergleich zu Holz aufgrund seiner höheren Mineralstoffgehalte (besonders, Kalium, Chlor, Stickstoff) ein etwas problematischer Brennstoff darstellt, müssen bei der Verbrennung höhere Anforderungen an die Filtertechnik gestellt werden.

Häcksler bei der Arbeit

Als weiterer bedeutender Bereitsteller von energetisch nutzbaren Biomassen kommt die Forstwirtschaft in Betracht. Schwach- und Restholz aus der Bestandesdurchforstung wird in der Regel nicht genutzt. In Teilbereichen ist jedoch auf unterschiedlichen Gründen eine Beseitigung der Holzreste aus dem Bestand dem derzeit häufig praktizierten "Liegenlassen" vorzuziehen. Hier sind einerseits phytosanitäre Aspekte zu nennen, andererseits werden in von Besuchern genutzten Waldbereichen häufig erhöhte Ansprüche an die Waldpflege (aufgeräumter Wald) gestellt.

Holzhackschnitzel

 

 

Aufgrund von Emissionen aus Verkehr und Industrie wird auch der Wald mit hohen Stickstoffrachten belastet, ein N-Export über das Restholz ist auch aus diesem Grunde wichtig, um weitere Unweltschäden wie Eutrophierung des Grundwassers zu vermeiden. Eine effiziente Nutzung von Restholz ist derzeit in der Region nicht gegeben. Lt. Bundeswaldinventur ist Deutschland eines der waldreichen Länder der Europäischen Union. Die BWI zeigt, dass rund 11,1 Mio. Hektar, also knapp ein Drittel Deutschlands, mit Wald bedeckt ist. Trotz aller Inanspruchnahme durch Siedlungen, Industrie und Verkehr hat die Waldfläche zugenommen. Die Bundeswaldinventur hat für das gesamte Inventurgebiet zum Stichtag 1. Oktober 2002 einen Vorrat von rund 3,4 Mrd. m3 ermittelt. Das entspricht einem Durchschnittswert von rund 320 m3 pro Hektar. Damit hat Deutschland, verglichen mit allen europäischen Ländern, die höchsten Holzvorräte in der Summe und mit Österreich die höchsten Vorräte pro Hektar.

(s. auch www.bundeswaldinventur.de)

Auch in Gemeinden fallen Biomassen in vielfältiger Form an. Neben kommunalen Grünabfällen wie Laub, Baum- und Strauchschnitten von Straßen- und Grabenrändern stellen Aufwüchse aus Naturschutzflächen ein weiteres beachtliches Potential dar. Die umweltfreundliche Entsorgung dieser organischen Reststoffe stellt Kommunen oft vor große wirtschaftliche Probleme. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz dürfen in Zukunft organische Abfälle mit Gehalten an organischer Substanz von über 5% nicht mehr deponiert werden. Sie müssen in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Der Einsatz von Reststoffen für energetische Zwecke z. B. in einer Vergärungsanlage würde aus den entsorgungspflichtigen Abfallstoffen einen Wertstoffe machen.

3. Ökologische Anforderungen an den Anbau von Energiepflanzen

3.1 Artenvielfalt durch Anbau von Energiepflanzen

Sonnenblumen und Phacelia

Eine hohe Vielfalt an Pflanzen stellt den entscheidenden Faktor zur Stabilisierung von Ökosystemen dar und ist die Voraussetzung zur Minimierung von Fremdregulationen (Einsatz von Fungiziden, Insektiziden, Herbiziden). Im Energiepflanzenbau kann die gesamte genetische Breite der Pflanzenarten genutzt werden. Kulturpflanzen können in Arten- und Sortenmischungen angebaut werden. Auch die Ackerbegleitflora leistet ihren Beitrag zum Biomasseertrag und steht damit nicht wie in der Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz zum Ernteertrag.
Das für die Energiegewinnung nutzbare Spektrum an Kulturpflanzen (Sorten, Arten und Familien) ist weit. Es sind Winterungen und Sommerungen, einjährige Formen und Dauerkulturen miteinander kombinierbar. Die energetische Verwertung stellt geringere qualitative Ansprüche an die Ernteprodukte als dies z.B. bei Nahrungspflanzen der Fall ist. So kann auf eine sehr breite Basis an Pflanzenmaterial zurückgegriffen werden und bei der Sortenwahl können phytosanitäre Aspekte stärker in den Vordergrund rücken. Zudem sind Sortenmischungen realisierbar. Sie ermöglichen eine höhere genetische Variabilität und sind z.B. bei Getreide ein brauchbares Mittel, um die Ausbreitung windbürtiger Krankheitserreger, z.B. Mehltau und Rost, zu begrenzen. Werden Sorten, die gegenüber bestimmten Erregerrassen nicht oder weniger anfällig sind, mit stärker anfälligen Sorten gemischt, filtern die nicht anfälligen Sorten einen Teil der Erreger ab und vergrößern so den Abstand zwischen den anfälligen Pflanzen.

Roggen-Inkernatklee Mischanbau

Filter- und Dichteeffekt können bei rassespezifischen Erregern den Krankheitsbefall bis zu 50% vermindern und damit eine Fungizidspritzung überflüssig machen (HEITEFUSS 1990).
Neben Sortenmischungen kann ein weiterer Weg in Richtung naturnahe Ökosysteme durch den Anbau mehrerer Arten gleichzeitig, den Artenmischungen, gegangen werden. Als Artenmischungen werden in der Hauptsache Gemenge verschiedener Futterpflanzen zur Grünfütterung und Gemenge von Leguminosen und Nichtleguminosen kultiviert. Es wird nicht nur eine geringere Anfälligkeit durch Krankheiten beobachtet, sondern es sind auch höhere Erträge bei der Wahl der richtigen Anteile der einzelnen Arten in der Mischung zu erzielen.
Des weiteren bietet der Energiepflanzenbau die Chance genetische Ressourcen, wie z. B. alte Landsorten in die energetische Nutzung einzubeziehen und auf diese Weise die notwendige "on farm" Erhaltung genetischer Ressourcen sicherzustellen (v. BUTTLAR 1996; v. BUTTLAR et al. 1997; KARPENSTEIN-MACHAN et al. 1997).
Die geringen Ansprüche an eine gute Kornqualität und die Betonung der Strohkomponente am Biomasseertrag führen dazu, dass alte Sorten, die in der Körnerproduktion heute nicht mehr konkurrenzfähig sind aber gute Ganzpflanzenerträge erzielen, wieder einen Platz in der Agrarlandschaft bekommen könnten (v. BUTTLAR 1996).

3.2 Düngung durch Nährstoffrückführung

Um die Produktivität des Ackerbodens bzw. Waldbodens zu erhalten, müssen Nährstoffentzüge durch die Pflanzen durch Düngung ergänzt werden.
Bei der Verwertung der Biomasse in einer Biogasanlage befinden sich nahezu alle Pflanzennährstoffe nach der Fermentation in dem ausgegorenem Gärrest. Dieser Gärrest sollte als Dünger auf denjenigen Flächen ausgebracht werden, auf denen die Energiepflanzen zuvor wuchsen. Die Pflanzennährstoffe werden damit nahezu vollständig rezykliert.
Werden Pflanzen thermisch verwertet (Verbrennung von Holz oder Stroh im Heizwerk) gehen Stickstoff und Schwefel als Pflanzennährstoffe verloren. Sie verlassen den Schornstein als NOx- bzw. SOx-Verbindungen. Da die Ackerpflanzen viel Stickstoff enthalten, aber nur relativ geringe Mengen an Schwefel, ist besonders der Verlust an Stickstoff bedeutsam. Für die thermische Verwertung von Energiepflanzen sind daher hohe N-Gehalte in der Pflanze unerwünscht, da sie einerseits die Qualität des Brennstoffes negativ beeinflussen und die NOx-Emissionen erhöhen (BLUDAU / TUROWSKI 1990). Proteinarme Sorten benötigen weniger Stickstoff und sind daher im Energiepflanzenbau zu bevorzugen. Hohe Trockenmasseerträge bei geringem N-Gehalten sind ein wichtiges Züchtungsziel, um ein umweltfreundliches Stickstoffmanagement im Energiepflanzenbau zu verwirklichen.
Durch Anbau von Leguminosen kann der Verlust an Stickstoff auf Ackerflächen ausgeglichen werden.

Gerste mit Mohnpflanzen

Alle weiteren Pflanzennährstoffe befinden sich nach der Verbrennung der Biomasse in der Asche. Die Asche sollte im Sinne eines Nährstoffrecyclings unbedingt auf den Acker oder Waldboden zurückgebracht werden. Damit kann auch eine mineralische Düngung insbesondere auf dem Acker eingeschränkt oder überflüssig werden.

3.3 Vermeidung von Pflanzenschutzmitteln

Die Ackerbegleitflora (Unkräuter) hat einen ähnlichen Heizwert wie die Kulturpflanze und ist somit ebenfalls energetisch verwertbar. Ihr Einfluss auf den Ertrag der Kulturpflanzen ist in Bezug auf den Kornertrag weitaus größer als auf das Ernteprodukt Ganzpflanze zur energetischen Nutzung, so dass sich höhere Schadensschwellen ergeben, die eine Reduktion oder gar den Verzicht eines Herbizideinsatzes ermöglichen (KARPENSTEIN-MACHAN 1997; v. BUTTLAR 1997). Durch die Möglichkeit einer vielseitigen Fruchtfolgegestaltung kann auch einer Ausdehnung des Unkrautpotentials durch Biomasseanbau Einhalt geboten werden. Jede Kulturpflanzenart wird von einer mehr oder minder spezifischen Wildpflanzenpopulation begleitet. Ein Wechsel zwischen Winterungen und Sommerungen unterbricht die Ausbreitung der jeweils zugehörigen Herbst- und Winterkeimer bzw. Sommerkeimer. Ein Wechsel innerhalb der Winterungen und Sommerungen vergrößert zusätzlich den Abstand zwischen zwei gleichen Kulturarten und verschlechtert so die Reproduktionsbedingungen der Unkräuter weiter.

Triticalefeld

Der für die energetische Nutzung gut geeignete Einsatz von Roggen ermöglicht z.B. die Unterdrückung der für Winterweizen und Wintergerste typischen Begleitgräser Windhalm und Ackerfuchsschwanz durch seinen hohen Wuchs und die dadurch bedingte stärkere Lichtkonkurrenz (BAEUMER 1990). Ebenso günstig ist der als Energiepflanze gut geeignete Triticale zu bewerten (KARPENSTEIN-MACHAN 1994).
Ackerwildpflanzen stellen die Nahrungsgrundlage für viele Nützlinge dar. Da im Energiepflanzenanbau auf Herbizide verzichtet werden kann, wird durch die Begünstigung von Nützlingen auch der Einsatz von Insektiziden vermindert werden.
Nur wenn den Nützlingen auch kontinuierlich Nahrung geboten wird oder Überdauerungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, können sie stabilisierend wirken. Solche Refugien können Hecken, Grabenränder, Ackerrandstreifen oder Altgrasbestände sein.

Gerste mit Ackerbegleitflora

So stellen Ackerrandstreifen, breitere Grabenränder, Hecken und auch Naturschutzflächen zwar eine Verringerung der landwirtschaftlich zu nutzenden Fläche dar, sie tragen jedoch zum ökologischen Gleichgewicht bei. Darüber hinaus verursachen sie geringere Opportunitätskosten, da ihr Aufwuchs zusammen mit den Kulturpflanzen energetisch genutzt werden kann. Neben dieser räumlichen Biotopvernetzung gibt es, die zeitliche Vernetzung von Biotopen, die durch die Wahl artenreicher Fruchtfolgen und die Möglichkeit gestaffelter Erntetermine zu fordern ist. So kann gewährleistet werden, dass Tiere nach dem Abernten einer Kultur Schutz in den noch stehenden Nachbarkulturen finden. Einem schroffen Wechsel von Lebens- und Nahrungsbedingungen wird so entgegengewirkt. Ein weiterer durch die Staffelung von Ernteterminen bedingter Vorteil entsteht durch die Abmilderung von Arbeitsspitzen.

3.4 Trinkwasserschutz durch Biomasseproduktion

In der Biomasseproduktion ist das Stickstoffniveau deutlich geringer als bei der Produktion von Marktfrüchten. Es wird vor allem auf die problematische Spätdüngung, die im Getreide und Rapsanbau üblich ist, verzichtet. Von besonderer Bedeutung für den Grundwasserschutz ist jedoch die Tatsache, dass der gesamte oberirdische Aufwuchs mit dem darin enthaltenen Stickstoff von der Fläche exportiert wird.
Ein weiteres oft unterschätztes Problem stellt der Eintrag von Pestiziden ins Grundwasser dar. Bei der Biomasseproduktion kann meist aufgrund deutlich höherer Schadschwellen auf den Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln verzichtet werden (KARPENSTEIN-MACHAN 1997). Da die Ackerbegleitflora in der Regel vor dem Aussamen mitgeerntet wird, kann davon ausgegangen werden, das auch für die Nachfrucht kein höherer Wildpflanzendruck resultiert. Bei Kulturen, wo dies nicht sichergestellt werden kann (Mais), wird eine mechanische Wildpflanzenregulierung empfohlen.

3.5 Erhöhte Flexibilität durch Energiepflanzennutzung


Bei allen Energiepflanzen, die als Ganzpflanzensilage genutzt werden, wird die Vollreife nicht abgewartet, sie werden bereits in der Milch- oder spätestens in der Teigreife, also 4 bis 6 Wochen vor der eigentlichen Getreideernte, geerntet. Daraus ergeben sich neben ökologischen Vorteilen auch betriebliche Vorteile, denn im Gegensatz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion mit eng begrenzten Ernteterminen ist die Ganzpflanzenernte zeitlich früher und die Erntetermine lassen sich flexibler gestalten. So können Arbeitsspitzen in der Landwirtschaft gebrochen und Arbeitskräfte sowie Maschinen effektiver eingesetzt werden. Diese Tatsache ist ein entscheidendes Kriterium bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit des Energiepflanzenanbaus.

Textfeld:

Feldhäcksler zur Ganzpflanzenernte

Weitere Informationen zum Energiepflanzenbau finden Sie in dem neu erschienen Buch von M. Karpenstein-Machan: Energiepflanzenbau für Biogasanlagenbetreiber, DLG-Verlag Frankfurt ISBN 3-7690-0651-8

4. Energetisches Grundkonzept für die Strom und Wärmeproduktion im Bioenergiedorf

4.1 Konservierung von feuchten Biomasse

Um die Vielfalt der auf Ackerflächen angebauten Pflanzenarten nutzen zu können, müssen die wasserreichen Biomassen so konserviert werden, dass sie lagerstabil sind.
Die Grenze zwischen trockenen und feuchten Biomassen, die als Energieträger Verwendung finden sollen, ist ein Wassergehalt von ca. 15%. Biomassen mit einem Wassergehalt von 15%, der sich zur Ernte eingestellt hat oder durch Trocknung auf dem Feld oder durch Belüftung im Holzlager herbeigeführt wurde, sind lagerstabil. Steigt der Wassergehalt über 15% und ist eine Trocknung nicht möglich, verrotten diese Biomassen unter Substanzverlust, Geruchsbildung, Gefahr der Selbstentzündung und Schadgasemissionen.

Silagelager

Gegenwärtig können nur mit Hilfe von Milchsäurebakterien unter anaeroben Bedingungen, also in Form der in der Landwirtschaft zur Futterkonservierung praktizierten Silagebereitung, feuchte Biomassen in großen Mengen konserviert werden (SCHEFFER et al. 1995). Anaerobe Verhältnisse setzen hohe Verdichtung voraus. Daher muss das Material stark zerkleinert und ausreichend feucht (>50% Wassergehalt) sein. Nahezu alle nicht holzartigen Pflanzenarten sind auf diese Weise konservierbar. Die Vorteile der Silierung liegen damit in der verlustarmen Form der Ernte und Lagerung von Biomassen mit unterschiedlichen Feuchtegehalten. Als Silage stehen diese Biomassen ganzjährig als Energieträger zur Verfügung.

4.2 Energetische Umwandlung der Biomasse

4.2.1 Biogasanlage

Für die Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung in Dörfern sollten nur ausgereifte technische Lösungen zur Einsatz kommen. Das Konzept sieht für die Strom- und Wärmeversorgung ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk vor. Das Biogas wird in einer landwirtschaftlichen Biogasanlage erzeugt. Die Biogasanlage wird mit Pflanzen, die auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden, und Gülle aus den viehhaltenden Betrieben des Ortes, gespeist. Pflanzliche Biomassen werden siliert und sind damit über mehrere Monate lagerfähig, so dass in der Biogasanlage das ganze Jahr über Silagematerial zu Biogas vergoren werden kann.
Mit einer installierten Leistung vom 700 kW elektrisch wird Strom im BHKW produziert und vollständig in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Auf der Grundlage des novellierten "Erneurerbare-Energien-Gesetz" (EEG 2004) wird der ins öffentliche Stromnetz eingespeiste "Biomassestrom" mit ca. 0,18 Euro pro kWh vergütet. Die Haushalte können weiterhin den Strom von ihrem bisherigen Stromversorger beziehen. Eine Eigenverwendung des im Dorf produzierten Stromes ist zunächst nicht vorgesehen.
Die bei der Stromerzeugung im BHKW anfallende Wärme wird zum großen Teil für die Heizung der Biogasanlage ausgekoppelt. Die nicht für die Heizung der Biogasanlage benötigte Restwärme wird in das Nahwärmenetz eingespeist. Abbildung 1 zeigt das Konzept der Energieumwandlung von Biomasse in Strom und Wärme.

Abbildung 1: Konzept der Strom- und Wärmeproduktion mit der Biogastechnologie

4.2.2 Heizanlage

Die in dem Blockheizkraftwerk erzeugte nutzbare Wärmemenge reicht jedoch nicht aus, um das ganze Dorf mit Wärmeenergie zu versorgen. Im Vergleich zur benötigten Strommenge im Dorf, ist der Wärmebedarf in kWh in etwa fünf mal so hoch. Darüber hinaus ist die Höhe des Wärmebedarfes diskontinuierlich. Dies wird in Abbildung 2 deutlich. Sie zeigt den typischen hohen Wärmebedarf in den Wintermonaten und den entsprechend geringeren Bedarf in den Sommermonaten. Der Grundwärmebedarf (z.B. warmes Duschwasser im Sommer) könnte aus der Restwärme des BHKW der Biogasanlage gedeckt werden. Für den zusätzlichen Spitzenwärmebedarf im Winter werden Holzhackschnitzeln in einem Biomasse-Heizwerk verbrannt und die Wärmeenergie in Form von heißem Wasser ebenfalls in das Nahwärmenetz eingespeist.

Abbildung 2: geschätzter Wärmebedarf für ein 500 Einwohner-Dorf

4.2.3 Nahwärmenetz

Über ein Nahwärmenetz wird die im Blockheizkraftwerk und im Biomasse-Heizwerk erzeugte Wärme in Form von heißem Wasser zu den angeschlossenen Häusern transportiert. Die Vor- und Rücklauftemperaturen werden ca. 85 und 65 ° C betragen. Das heiße Wasser des Nahwärmenetzes wird direkt über die Hausanschlussstation in den internen Wasserkreislauf des Hauses eingespeist. Nach Wärmeverbrauch fließt das abgekühlte Wasser wieder zurück in das Nahwärmenetz und wird erneut mit Energie aufgewärmt. Die Konditionen für die Wärmelieferung sind im Wärmeliefervertrag festgelegt. Abbildung 3 zeigt die Funktionsweise des Biomasse-Heizwerkes mit dem Nahwärmenetz auf.

Abbildung 3: Biomasse-Heizwerk mit Nahwärmenetz

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6. Literatur

BAEUMER, K. 1990: Grundlagen der Integration einschließlich Planungs- und Entscheidungskriterien für den Praktiker. In: Integrierter Landbau. Diercks, R. u. Heitefluß, R. BLV Verlagsgesellschaft München.

BLUDAU, D. / P. TUROWSKI 1990: Verfahrensrelevante Untersuchungen zur Bereitstellung und Nutzung jährlich erntbarer Biomasse als Festbrennstoff unter besonderer Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und umweltbezogener Aspekte. Hrsg. Bayr. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ref. für Landmaschinenwesen, Gelbes Heft Nr. 44.

BUTTLAR, v. C. 1996: Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen über den Weg der energetischen Nuztung von Ganzpflanzen am Beispiel von Wintergerste. Diss. Universität Kassel, Witzenhausen.

BUTTLAR, v. H.- B. 1997: Wildpflanzenregulierung im Energiepflanzenbau bei Verzicht auf synthetische Herbizide - Untersuchungen von Sommerungen im Direktsaatverfahren. Diss. Universität Kassel, Witzenhausen.

C.A.R.M.E.N. 2000: Evaluierung bestehender Pilot- und Demonstrationsanlagen zur regenerativen Energieerzeugung auf Basis von Biomasse in der Bundesrepublik Deutschland.

Hoffmann, M. (1996): Lebensmittelqualität - Neue Erkenntnisse zu aktuellen Fragen. SÖL- Sonderausgabe Nr. 62; Stiftung Ökologie und Landbau, Bad Dürkheim.


KARPENSTEIN-MACHAN, M. / B. HONERMEIER / F. HARTMANN 1994: Produktion aktuell, Triticale; DLG Verlag, Frankfurt, 144 Seiten, 59 Abb. z.T. farbig, 38 Tab., ISBN 3-7690-0523-6, 35.- DM.

KARPENSTEIN-MACHAN, M. / C. v. BUTTLAR / K. SCHEFFER 1997: Landeskultureller Wert von alten Sorten im Hinblick auf eine energetische Nutzung am Beispiel Winterweizen. Vorträge für Pflanzenzüchtung, Heft 39, 176 - 180.

KARPENSTEIN-MACHAN, M. 1997: Perspektiven eines pestizidfreien Anbaus von Energiepflanzen zur thermischen Verwertung im System der Zweikulturnutzung. DLG-Verlags-GmbH, Frankfurt, 67 Tab., 54 Abb., ISBN -3-7690-0546-5.

KARPENSTEIN-MACHAN, M., 2005: Energiepflanzenbau für Biogasanlagenbetreiber, DLG -Verlags-GmbH, Frankfurt, 2005, ISBN 3- 7690-0651-8, 19,90 Euro.

Leible, L. (1995): Umwelteffekte des Anbaus und der Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen: Flächenbedarf, Energie- und CO2-Bilanz, Beschäftigungseffekte. BÜNDNIS 90 /DIE GRÜNEN- Materialien Nachwachsende Rohstoffe, Strohfeuer oder Ausweg, Beiträge zum Hearing am 8./9. 6. 1995 in Bonn.

SCHEFFER, K. / R. STÜLPNAGEL, 1993: Wege und Chancen bei der Bereitstellung des CO2-neutralen Energieträgers Biomasse - Grundgedanken zu einem Forschungskonzept. Der Tropenlandwirt, Beiheft Nr. 49, 147 - 161.

SCHEFFER, K. / C. v. BUTTLAR / H.-B. v. BUTTLAR / M. KARPENSTEIN-MACHAN /  G. RINKE / R. STÜLPNAGEL 1995: Energiegewinnung aus feucht konservierter Biomasse. Der Tropenlandwirt, Journal of Agriculture in the Tropics and Subtropics, Beiheft Nr. 53, 187  194.
Scheffer et al. 2003.

Scheffer, K., R. Grass, J. Reulein (2003): Verfügbare Biomassepotenziale für Energie und Rohstoffe bei flächendeckendem Ökologischen Landbau. Vortrag auf der 7. Wissenschaftstagung zum Ökologischem Landbau 2003, Wien.


STATISTISCHES BUNDESAMT 1998: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998. www.statistik-bund.de

WEILAND 1998: Kofermentation. Arbeitspapier 249, Eds. Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL), Darmstadt.

Wintzer, D., B. Fürniss, S. Klein-Vielhauer, L. Leible, E. Nieke, Chr. Rösch, H. Tangen (1993): Technikfolgenabschätzung zum Thema Nachwachsende Rohstoffe. Schriftenreihe des BML, Reihe A: Angewandte Wissenschaft, Sonderheft.

 www.hea.de: spezifischer Energieverbrauch nach Haushalten, Landwirtschaft und Gewerbe (Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung e.V.).

 
   
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