Von der Projektidee zur Projektrealisierung
Zur Geschichte des Aktionsforschungsprojektes Bioenergiedorf Jühnde
- März 1998 Mitglieder des "Interdisziplinäres
Zentrums für Nachhaltige Entwicklung" der Universität
Göttingen schreiben ein erstes Diskussionspapier für ein Forschungsprojekt
mit dem Arbeitstitel "Entwicklung von Konzepten für eine regionale
Umsetzung der AGENDA 21 im Handlungsfeld Energie", AutorInnen:
Swantje Eigner, Volker Ruwisch, Prof. Dr. Peter Schmuck.
- April 1998 Aus dem folgenden Diskussionsprozess entwickelt
sich eine erste Projektskizze, Arbeitstitel: "Nachhaltige Regionalentwicklung:
Konzepte und Strategien zur Umsetzung der Agenda 21 im Handlungsfeld
Energie", Beteiligte: Swantje Eigner (Psychologie), Prof. Dr. Walter
Girschner (Soziologie), Prof. Dr. Wolfgang Krumbein (Politikwissenschaften),
Heike Nückel (Politikwissenschaften), Volker Ruwisch (Ökonomie),
Prof. Dr. Peter Schmuck (Psychologie), Dr. Hanna Toben (Agrarwissenschaften).
- Mai 1998 Über den Geowissenschaftler Prof. Dr. Hans Ruppert
wird der Kontakt nach Kassel / Witzenhausen zu dem Agrarwissenschaftler
Prof. Dr. Konrad Scheffer hergestellt, der Konzepte zum umweltverträglichen
Anbau von Biomasse in den Diskussionsprozess einbringt.
- Sept. 1998 Bei einer Planungswerkstatt im Alten Kloster Germerode
reift die Idee, ein ganzes Dorf beispielhaft umzustellen. Das Projekt
wird auf die wissenschaftliche Analyse einer von uns initiierten Umstellung
der Wärme- und Stromversorgung eines ganzen Dorfes auf erneuerbare
Energien ausgerichtet. Ergebnisse dieses Aktionsforschungsprojektes
sollen zum einen reale Umweltentlastungen durch ein umgestelltes Dorf,
zum anderen wissenschaftliche Erkenntnisse zu Hemmnissen, Erfolgfaktoren
und einer erfolgversprechenden Vorgehensweise für eine derartige
Umstellung, zu den Möglichkeiten der umweltverträglichen Bereitstellung
der benötigten Energieträger, zu den ökologischen, sozialen
und ökonomischen Auswirkungen infolge der Umstellung sein.
- Winter 1998 / Frühjahr 1999: Besichtigung von Biogas-
und Rapsölanlagen in Nordhessen und Ausarbeitung eines umfassenden
Projektantrages unter dem Projektleiter Prof. Dr. Hans Ruppert, Titel
"Nachhaltige Energiewirtschaft im ländlichen Raum: Voraussetzungen,
Konzepte und Folgen einer Umgestaltung der Energieversorgung eines Dorfes
auf erneuerbare Energieträger unter besonderer Berücksichtigung
der Biomasse", Beteiligte: Dr. Christian Ahl (Bodenwissenschaften),
Swantje Eigner (Psychologie), Prof. Dr. Walter Girschner (Soziologie),
Prof. Dr. Wolfgang Krumbein (Politikwissenschaften), Prof. Dr. Rainer
Marggraf (Agrarökonomie), Heike Nückel (Politikwissenschaften),
Prof. Dr. Hans Ruppert (Geowissenschaften), Volker Ruwisch (Ökonomie),
Prof. Dr. Konrad Scheffer (Nutzpflanzenkunde), Prof. Dr. Peter Schmuck
(Psychologie), Dr. Hanna Toben (Agrarwissenschaften).
- Ostern 1999 Verschickung des Projektantrages u.a. an: BMU,
BML, BMBF, DBU, BEO.
- Juni 1999 Vorstellung des Projektes anlässlich eines Besuch
der Universität Göttingen durch den Bundesumweltminister Jürgen
Trittin.
- Juni 1999 Erste Vorstellung des Projektes beim BML in Bonn.
- Okt 1999 Überarbeitung und Vorstellen des Antrages bei
der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) in Gülzow.
- Mai 2000 Nach vielen weiteren Sitzungen der Projektgruppe der
Universitäten Göttingen und Kassel / Witzenhausen, wiederholten
Überarbeitungen und Vorstellen des Projektantrages wurde der fertige
Projektantrag bei der FNR eingereicht; Projekttitel: "Das Bioenergiedorf
- Voraussetzungen und Folgen einer eigenständigen Wärme- und
Stromversorgung durch Biomasse für Landwirtschaft, Ökologie
und Lebenskultur im ländlichen Raum".
- Sept. 2000 Bewilligung des Antrages durch die FNR / das BML.
- Okt. 2000 Start des Projektes, Aufbau der Projektgruppe:
Professoren/ Räte: Dr. Christian Ahl, Prof. Dr. Walter Girschner,
Prof. Dr. Wolfgang Krumbein, Prof. Dr. Rainer Marggraf, Prof. Dr. Hans
Ruppert, Prof. Dr. Konrad Scheffer, Prof. Dr. Peter Schmuck
wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Holger Bergmann, Lars Degenhardt,
Swantje Eigner, Thilo Jahn, Dr. Marianne Karpenstein-Machan, Volker
Ruwisch, Arne Suhr, Dr. Hanna Toben
- Winter / Frühjahr 2001: Beginn mit der Auswahl eines für
den beispielhaften Umstellungsprozess gut geeigneten Dorfes im Landkreis
Göttingen, Präsentationen des Projektes auf insgesamt ca.
25 - 30 Ortsrat- und Gemeinderatssitzungen und 17 Dorfversammlungen.
- April 2001 Eingrenzung der potentiellen Dörfer von 17
auf 4 aufgrund einer Befragung aller Haushalte in den 17 Dörfern,
Anfertigung von Machbarkeitsstudien für die vier Dörfer in
Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro, Vorstellung der Studien
und Durchführung einer weiteren Befragung der Haushalte in den
vier Dörfern.
- Okt. 2001 Auswahl von Jühnde als Partner der Universitäten
zur Umstellung der Wärme- und Stromversorgung auf Biomasse, Anfertigung
einer technischen Vorplanung für Jühnde in Zusammenarbeit
mit einem Ingenieurbüro.
- Mai 2002 Gründung der Bioenergiedorf Jühnde GbR (Gesellschaft
bürgerlichen Rechts) in Jühnde und Start des Abschließens
von Vorverträgen zum Anschluss an das Nahwärmenetz mit den
interessierten Jühnder Bürgern.
- Okt. 2002 Die Zielmarke für die Anschlussdichte "70
% des Wärmebedarfs in Jühnde" wird erreicht.
- Winter / Frühjahr 2003: Beantragung von Fördergeldern
für die weiteren Planungsarbeiten durch die Bioenergiedorf Jühnde
GbR und Bewilligung durch die FNR (75%), den Landkreis Göttingen
und das EU-Programm LEADER+ (zusammen 15%), finanzielle Eigenbeteiligung
von Jühnder Bürgern bei den folgenden Planungsarbeiten (10%).
- Sommer / Herbst 2003: Detailplanungen für die technischen
Umstellungsarbeiten in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros.
- Dez. 2003 Bauantrag für die Bioenergieanlagen.
- April 2004 Eintreffen der Bau- und Betriebsgenehmigung.
- Frühjahr 2004 Erstellung detaillierter Wirtschaftlichkeitsberechnungen
für die genehmigten Anlagen und Beantragung von Zuschüssen
für die Investitionen.
- Juni 2004 Präsentation des Projektes auf der Internationalen
Konferenz für Erneuerbare Energien, renewables 2004, in Bonn.
- Sommer 2004 Bewilligung von Fördermitteln für die
Anlagen durch die FNR (1,32 Mio. Euro), das Land Niedersachsen (0,1
Mio. Euro) und den Landkreis Göttingen.
- Sept. 04 Nach Sicherstellung der Finanzierung der Investitionen
fällt die Entscheidung in Jühnde zur Umsetzung der Planungen.
- Okt. 2004 Gründung der Bioenergiedorf Jühnde eG (eingetragene
Genossenschaft) als zukünftige Betreibergesellschaft.
- Nov. 2004 Erster Spatenstich unter anderen durch die Bundesverbraucherschutzministerin
Renate Künast, den Bundesumweltminister Jürgen Trittin, den
Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium
Gert Lindemann und den Landrat Reinhard Schermann.
- Frühjahr / Sommer 2005 Verlegung des Nahwärmenetzes,
Errichtung der Biogasanlage und des Heizwerkes
- Juni 2005 Der Jühnder Bäcker beginnt den Verkauf
von "Bioenergiedorfbrötchen".
- Juli 2005 Erste Ernte von Energiepflanzen in Jühnde, Einlagerung
auf den Siloplatten.
- Sept. 2005 Zweite "Promotiontour" in Japan.
- Sept. 2005 Aufnahme der Wärmeversorgung in Jühnde
und ausführliche Berichterstattung in den Tagesthemen der ARD.
- Dez. 2005 Beginn der Einspeisung von Strom ins Stromnetz.
- 2006: Bereits mehr als 4.000.000 kWh grüner Storm könnten
mit der Biogasanlage in Jühnde produziert werden.
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