Das Bioenergiedorf

Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung
der Universität Göttingen
Dieses Projekt wird gefördert durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR),
Projektträger des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. (BMVEL)
Georg August Universität Göttingen Geowissenschaftliches Zentrum Göttingen
 

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IBR - Göttinger Institut für Bioenergie und Regionalentwicklung e.V.

 

 

 

 

Wissenschaft und Bioenergiedorf - so kommt eins zum anderen

Worum geht es in dem Projekt Das Bioenergiedorf?

In dem zukünftigen Bioenergiedorf wird die Wärme- und Stromversorgung auf die Basis von Biomasse umgestellt. Damit werden die fossilen und nuklearen Energieträger (Kohle, Erdgas, Erdöl, Uran) durch die umweltverträgliche, regional verfügbare und ständig nachwachsende Biomasse ersetzt.

Welche Gründe sprechen für das Projekt?

Für das Projekt sprechen ökologische, ökonomische und soziale Gründe. Wichtige ökologische Gründe sind die durch die herkömmliche Energieerzeugung hervorgerufenen starken Klimaveränderungen, welche die Lebensgrundlage der jungen und nachfolgenden Generationen deutlich verschlechtern, die Endlichkeit der fossilen und nuklearen Brennstoffe sowie die Gefahren, die von der Nutzung der Atomenergie ausgehen.

Jahresmitteltemperatur der Nordhemisphäre von 1000-1998 bezogen auf den Mittelwert von 1902-1980. Die Werte basieren auf Bohrungen in Sedimenten, Korallenriffen und Eis, Baumringanalysen sowie allen verfügbaren Direktmessungen (Mann et al. 1999 .pdf 239 KB).

Wichtige ökonomische und soziale Gründe sind die Schaffung von neuen Einkommensquellen und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen vor allem in der Land- und Forstwirtschaft durch die Lieferung der benötigten Biomasse sowie die Gewährleistung einer kostengünstigen Wärmeversorgung für die einzelnen Haushalte. Ein bedeutsamer sozialer Grund ist ein erhöhtes Wir-Gefühl im Dorf durch die gemeinsame Umsetzung des Projektes. Es kann damit ein Beitrag zur Erhaltung der Dorfgemeinschaft geleistet werden.

Wird das Erdöl wirklich knapp?

Wie alle Rohstoffe sind auch die fossilen Energieträger (Kohle, Erdgas, Erdöl,...) nur begrenzt vorhanden. Das Ende des Erdöls, dem bislang mit Abstand wichtigsten Energieträger, ist bereits in Sicht. Sofern der jetzige Verbrauch konstant bleibt, reichen die Vorräte noch etwa 40 Jahre. Allerdings ist das eine optimistische Schätzung, weil der Verbrauch von Erdöl noch zunimmt. Die Hoffnungen, dass in Zukunft größere Erdöllagerstätten gefunden werden, haben sich durch die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zerschlagen. Nach dem Ende der klassischen Förderung bliebe noch die Möglichkeit, Teersände und Ölschiefer auszubeuten. Allerdings geht dies nur zu deutlich erhöhten Kosten und auch die durch die Ölförderung verursachte Umweltverschmutzung würde vergrößert werden. Für das Ende des Öls spricht auch, dass selbst die Ölkonzerne bereits in neue Energiequellen wie Solarenergie oder Biomasse investieren. Insgesamt muss jedoch befürchtet werden, dass mit der zunehmenden Knappheit des für Industrieländer wichtigsten Rohstoffes auch die Verteilungskämpfe zunehmen. Diese können sich zum einen in höheren Preisen auf dem Ölmarkt niederschlagen, zum anderen auch in militärischen Aktionen und Kriegen zur Sicherung des Zugangs zum Erdöl münden. Biomasse statt Erdöl zu verwenden, ist also auch Teil einer Strategie zur Verhütung internationaler Konflikte.

Was wird mit dem Projekt erforscht?

Neben dem oben genannten Ziel der Nutzung einer nachwachsenden Energiequelle ist mit dem Projekt auch ein Forschungsauftrag verbunden. Es soll untersucht werden, welche Auswirkungen sich durch die energetische Nutzung von Biomasse auf die Land- und Forstwirtschaft, die Ökologie und das soziale Zusammenleben im Dorf ergeben. Des weiteren soll heraus gefunden werden, welche Faktoren die Einführung der Bioenergie hemmen und welche sie fördern.

Wie lange dauert die Betreuung des Projekts durch die Wissenschaftler?

Das Aktionsforschungsprojekt gliedert sich in mehrere Phasen. Die erste Phase (Oktober 2000 - November 2002) umfasste die Dorffindung und die Erstellung von Planungsunterlagen in enger Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung sowie die Gründung einer vorläufigen Betreibergesellschaft (GbR). In einer zweiten Phase wurden die Planungsarbeiten abgeschlossen. Eine Bau- und Betriebsgenehmigung wurde erteilt. Die Betreibergesellschaft in Jühnde wurde gegründet. In einer dritten Phase (ab April 2005 - Januar 2008) wird zum einen die Errichtung der Energieanlagen begleitet. Zum anderen werden weitere wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen, der laufende Betrieb der Anlagen optimiert und durch Öffentlichkeitsarbeit das Modellprojekt bundesweit bekannt gemacht.

   
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