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Zur Biomasse zählen alle Pflanzen wie Bäume, Büsche, Getreide, Mais, Sonnenblumen, Gras sowie die Reststoffe Stroh und Gülle. Mit Hilfe der Photosynthese können die Pflanzen die Energie der Sonne umwandeln und für ihr Wachstum nutzen. Wie z.B. durch die Verbrennung von Holz bekannt ist, kann diese gespeicherte Sonnenenergie für die Gewinnung von Wärme genutzt werden. Energetisch genutzt werden können zum einen Reststoffe aus der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Kommune (z.B. Stroh, Rübenblatt, Holzhackschnitzel, Grünschnitt von Straßenrändern usw.). Zum anderen können aber auch Pflanzen extra angebaut werden, um sie als Energiepflanzen zur Wärme- und Stromgewinnung zu nutzen.
Ein Teil der Biomasse (Gülle, Gras- oder Maissilage
etc.) wird zunächst unter Luftabschluss in einer Biogasanlage vergoren.
Mit dem gewonnenen Biogas wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW), d.h. ein
Motor mit Stromgenerator, betrieben. Auf diese Weise lässt sich die benötigte
Strommenge erzeugen. Da es nicht sinnvoll ist, zusätzlich zu dem vorhandenen
Stromnetz ein weiteres zu verlegen, wird dieser Strom in das Netz der
EAM eingespeist. Die Stromlieferung in die einzelnen Haushalte erfolgt
weiterhin durch den bisherigen Versorger (z.B. EAM oder Ökostromanbieter).
Bei der Verbrennung von Benzin oder Gas in einem Motor entsteht immer
auch Wärme, die wir z.B. beim Auto höchstens für die Heizung nutzen. Das
Verhältnis zwischen der erzeugten Kraft, die wir zur Fortbewegung oder
zur Stromgewinnung brauchen, und der erzeugten Wärme ist in einem Motor
sehr schlecht. In der Regel wird in einem Motor ca. 2/3 Wärme und
nur 1/3 Kraft bzw. Strom erzeugt. Dies bedeutet, dass die eingesetzte
Energie z.B. bei Automotoren nur sehr schlecht ausgenutzt wird. Bei Blockheizkraftwerken
hingegen wird durch die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung auch die anfallende
Wärme zu einem großen Teil genutzt.
Das bei der Kühlung des Motors anfallende heiße Wasser
wird für die Hausheizung und die Brauchwassererwärmung eingesetzt. Hierdurch
kann die ursprüngliche Energiemenge zu ca. 80% ausgenutzt werden. Da der
Bedarf an Wärmeenergie von Privathaushalten im Durchschnitt etwa fünf
Mal so groß ist wie der Bedarf an Stromenergie, reicht die bei der Stromgewinnung
im Blockheizkraftwerk anfallende "Abfallwärme" im Winter nicht aus. Deshalb
ist es notwendig, im Dorf zusätzlich ein zentrales Heizwerk zu errichten.
In diesem Heizwerk wird Holz (in Form von Hackschnitzeln) verbrannt.
Wie gelangt die Wärme in die einzelnen Häuser im Dorf?Das in dem Blockheizkraftwerk und dem Heizwerk erhitzte Wasser wird über ein Nahwärmenetz an die einzelnen Häuser verteilt. Ein Nahwärmenetz ist ein in den Boden zu verlegendes Leitungssystem, mit dem die Wärme aus dem Blockheizkraftwerk und dem zentralen Biomasseheizwerk in Form von heißem Wasser an die einzelnen Häuser im Dorf verteilt wird. Über einen Wärmetauscher wird die Wärmeenergie an die hausinternen Kreisläufe (Zentralheizung, Brauchwasser) übergeben. Warum ist ein Nahwärmenetz notwendig?Durch ein Nahwärmenetz kann auch die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk entstehende Wärme verwendet werden. Diese würde ansonsten ungenutzt (und unvergütet) in die Atmosphäre entweichen, wie dies in der Regel bei Großkraftwerken (bei denen über 60% der eingesetzen Primärenergie ungenuzt als "Abfallwärme" in die Atmosphäre und den Weltraum entweichen) über die Kühltürme geschieht. Das Blockheizkraftwerk, das Heizwerk und das Nahwärmenetz stellen damit eine Art Dorfzentralheizung dar. Genauso wie bei der Einrichtung der Hauszentralheizung die vielen kleinen Einzelöfen durch einen einzigen größeren Heizkessel pro Haus ersetzt wurden, werden in dem Bioenergiedorf die einzelnen Heizkessel in den Häusern durch ein bis zwei größere Heizkessel für das Dorf ersetzt. Welche Vorteile bietet ein zentrales Heizwerk gegenüber Hauseinzelheizungen?
Um die vollständige Versorgung mit Wärmeenergie aus
Biomasse zu gewährleisten, wird neben der Abwärme des Blockheizkraftwerks
zusätzliche Wärme aus einem Stroh- oder Holzheizwerk benötigt. Diese könnte
prinzipiell auch ohne Nahwärmenetz durch hauseigene, gegenüber Öl ebenfalls
ökologisch vorteilhafte Biomasseheizkessel erzeugt werden. Allerdings
bietet die zentrale Wärmeerzeugung einige Vorteile gegenüber der hauseigenen
Einzelheizung. Vor allem ist die zentrale Versorgung deutlich bequemer.
Niemand muss selbst "Holz machen" oder sich anderweitig um die Brennstoffbeschaffung
und -lagerung kümmern. Pflege, Wartung und Reparatur an der eigenen Heizungs-
und Warmwasseranlage entfallen oder reduzieren sich auf ein Minimum. Ein
angenehmer Nebeneffekt der zentralen Wärmeversorgung ist auch, dass in
den Heizungskellern der angeschlossenen Häuser zusätzlicher Platz frei
wird. Es wird kein Raum mehr für die Lagerung von eigenem Brennstoff benötigt
und die Hausübergabestation lässt sich in der Regel besser in ein Wohnhaus
integrieren als ein Heizkessel. Die zentrale Wärmeversorgung ist eine
Modernisierung der dörflichen Infrastruktur, vergleichbar mit der Einführung
der zentralen Wasser- oder Stromversorgung.
Neben der besseren Ausnutzung des eingesetzten Brennstoffes spricht ein weiteres ökologisches Argument für ein zentrales Heizsystem. Bei ein bis zwei größeren Kesseln im Heizwerk können wirksame Filter eingesetzt werden, so dass die Luftqualität deutlich verbessert wird. Auch dies wird sich bei vielen Holzöfen in den einzelnen Haushalten nicht realisieren lassen. Es sind also neben der Bequemlichkeit technische, ökologische und finanzielle Gründe, die die zentrale Wärmeversorgung über ein Nahwärmenetz zu einem zentralen Bestandteil des Projektes machen. Gibt es genug Biomasse zur Versorgung der Anlagen?In der Regel verfügt ein Dorf mit landwirtschaftlichen
Betrieben über genug Biomasse, so dass eine Versorgung der Anlagen gewährleistet
ist.
Hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Energieträger
für das Heizwerk, Holz oder Stroh, bestehen sogar große, bislang ungenutzte
Überschüsse. Besonders deutlich wird dies an dem vor allem im Winter anfallenden
Baum- oder Strauchschnitt, der üblicherweise gehäckselt als Abfall in
die Straßenböschungen entsorgt wird. Die Versorgung der Biogasanlage wird
also durch die Nutzung von Gülle und des Aufwuchses von landwirtschaftlichen
Flächen (auch von Stillegungsflächen) und von privaten und kommunalen
Grünschnitten gewährleistet. Da jedes Dorf unterschiedliche Potenziale
an den verschiedenen Biomassen aufweist, werden die Anlagen speziell auf
das Dorf zugeschnitten.
Warum liegt der Schwerpunkt des Projekts auf Biomasse?
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In einer Energiebilanz wird gegenübergestellt, wie viel Energie durch die Pflanzen auf einem Hektar (ha) Ackerfläche gewonnen werden kann und welche Energiemenge für den Anbau nötig ist (von der Saat bis zur Ernte). Der Anbau von Energiepflanzen ist nur dann sinnvoll, wenn weit mehr Energie über die Pflanzen auf dem Acker erzeugt, als für den Anbau verbraucht wird. Wie groß die Energiemenge ist, die auf einem Hektar Ackerland produziert werden kann, ist abhängig von dem Klima und der Bodengüte des Standortes, der Pflanzenart und der eingesetzten Düngermenge. Auf guten Böden und bei optimaler Wasser- und Nährstoffversorgung können Energieerträge erzielt werden, die einer Menge von 10.000 l Öl pro Hektar entsprechen. Die Herstellung der Produktionsmittel (Saatgut, Düngemittel, Maschinen, Treibstoff) und der Energiebedarf, der nötig ist, um den Boden zu bearbeiten, das Saatgut einzubringen, die Düngung auszubringen und die Pflanzen zu ernten, erfordert einen Energieaufwand von ca. 800 bis 1000 l Öl pro Hektar. Bei hohen Erträgen ist somit das Verhältnis des Energie-Aufwands zum Energie-Ertrag mit 1:10 bis 1:12 sehr günstig. Die Energiebilanz kann darüber hinaus weiter verbessert werden, wenn kein industriell gefertigter Dünger (Mineraldünger) beim Anbau eingesetzt wird, sondern die Reststoffe aus der Biogasanlage (Gärrückstände) und die Pflanzenaschen aus dem Heizwerk zur Düngung verwendet werden. Diese Reststoffe enthalten alle Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachstum benötigen. Der Verzicht auf industriell hergestellten Stickstoffdünger spart ca. 300 bis 400 l Öl je ha. Die Düngung von Gärrückständen und Pflanzenaschen ist auch im Sinne eines geschlossenen Nährstoffkreislaufes, denn die Nährstoffe werden auf diejenigen Flächen zurückgebracht, von denen zuvor die Energiepflanzen geerntet wurden.
Die Versorgungssicherheit ist grundsätzlich gegeben, weil sich an den bestehenden Stromverträgen (z.B. mit der EAM oder einem Ökostromanbieter) nichts ändert. Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert 20 Jahre mit circa 0,16 - 0,17 € pro kWh (abhängig von dem KWK-Zuschlag) von den Stromnetzbetreibern vergütet. Für die Haushalte im Bioenergiedorf ändert sich also nichts. Sie beziehen ihren Strom wie bisher von dem gewählten Stromversorger aus dem öffentlichen Netz. Im Bioenergiedorf wird allerdings die gleiche Menge an Strom, die aus dem öffentlichen Netz entnommen wird, durch die eigene Stromerzeugung wieder eingespeist.
Mehr Sicherheit als bisher:
Zwei Heizkessel im Heizwerk (Verden)![]()
Gegenüber hauseigenen Anlagen ist die Verlässlichkeit der zentralen Wärmebereitstellung größer, weil sie auf mehreren Standbeinen steht: Zum einen wird die Wärme des Blockheizkraftwerks genutzt, wodurch bereits eine Grundversorgung sichergestellt ist. Zum anderen werden in einem zentralen Biomasseheizwerk üblicherweise zwei Heizkessel eingesetzt. Sollten bei einem dieser Kessel Wartungs- oder Reparaturarbeiten anfallen, lässt sich durch den anderen die Versorgung sicherstellen.
Der gesamte Anlagenwirkungsgrad - Feuerungsraum, Rauchrohrkessel, Schornsteinsystem - liegt bei 80%. Im Netz treten je nach eingesetzter Dämmungsgüte Verluste zwischen 15 und 20% auf.
Die Überwachung der Anlage erfolgt zum großen Teil elektronisch. Ein Ausfall oder eine Fehlfunktion wird durch die Steuerungsanlage automatisch per Telefon bzw. "Pieper" der für die Betreuung der Anlagen zuständigen Person gemeldet. Zu den Aufgaben dieser Person gehört es, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten für eine schnelle Behebung der Störung zu sorgen. Für Urlaubs- oder Krankheitszeiten wird es eine Vertretung geben, so dass eine ständige Bereitschaft gegeben ist. Da die Wärmeversorgung im Bioenergiedorf auf mehreren Standbeinen steht, wird aber selbst eine Fehlfunktion in aller Regel keine Gefährdung der Wärmeversorgung darstellen.
Biogasmotoren (Behringen)
Die vergorenen Reststoffe aus der Biogasanlage bilden einen hochwertigen
und unbelasteten Dünger, der als Nährstoff auf dem Acker ausgebracht wird.
Die in der Biogasanlage veredelte Gülle stinkt außerdem nicht mehr.
Die Asche aus dem Heizwerk kann zu einem großen Teil als nährstoffreicher
Dünger verwendet werden. Die Feinasche aus den Filteranlagen muss herkömmlich
deponiert werden.
Durch die Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung auf die Basis nachwachsender Rohstoffe werden ca. 60% des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) pro Person eingespart, wobei die sehr geringen Energiemengen zum Transport und zur Zerkleinerung der Rohstoffe bereits berücksichtigt sind. Zudem wird das Bioenergiedorf als Modellprojekt voraussichtlich viele weitere Initiativen in Gang bringen, die weitere Entlastungen bewirken werden. Mit dem Bioenergiedorf wird zwar weder eine endgültige Lösung des Klimaproblems erreicht, noch alle Potenziale für eine umweltgerechte Lebensweise ausgeschöpft, aber es wird ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.
Ob Holz verrottet oder verbrennt: Die Abgabe von CO2 ist gleich hoch.
Gerade die zentrale Versorgung mit Wärmeenergie macht das Wohnen für diese Menschen angenehm. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Die Lebensqualität erhöht sich.
flexible Nahwärmeleitung
Der LKW-Verkehr nimmt in einem äußerst geringen Umfang zu. Bei einer
Dorfgröße von 500 Einwohnern reichen im Schnitt drei landwirtschaftliche
Anhänger pro Woche aus, um das Heizwerk mit Biomasse zu versorgen.
Das Betreiben der Biogasanlage wird keinen weiteren Schlepperverkehr erzeugen,
da keine zusätzlichen Transportwege entstehen.
Nein, die Landwirte können im Gegenteil eine Vielzahl von Pflanzen als Energiepflanzen in ihre bisherigen Fruchtfolgen einbinden. Auch Wildkräuter können genutzt werden. Viele Pflanzenarten und Sorten verringern das Risiko des Befalls mit Pflanzenkrankheiten, Schädlingen und Unkräutern, weshalb die Pflanzenschutzmittel reduziert werden können. Pflanzenschutzmittel sind meistens auch deshalb überflüssig, weil die Energiepflanzen bereits ,- wie viele Futterpflanzen - vor der Reife geerntet und anschließend siliert werden. Zu diesem frühen Erntezeitpunkt wird der Ertrag kaum durch Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter beeinflusst. Es ist deshalb davon auszugehen, dass insgesamt weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und die Artenvielfalt auf den Äckern ansteigt.
Häcksler für Durchforstungsholz
Es handelt sich bei dem sogenannten Biogas - sieht man von Verunreinigungen ab - um normales Erdgas, also Methan (CH4). Methan ist ca. 24 mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid (CO2). Beim Betrieb der Biogasanlage muss daher penibel darauf geachtet werden, dass alles Gas aufgefangen und verbrannt wird. Bei der Verbrennung des Biogases im Blockheizkraftwerk entstehen die gleichen klimaschädlichen Abgase wie beim Verbrennen von Erdgas, d.h. überwiegend Kohlendioxid (CO2). Allerdings kann dabei nur soviel schädliches Gas frei werden, wie die Pflanzen, die in der Biogasanlage verwertet werden, beim Aufwuchs durch Photosynthese gebunden haben. Das gilt im Prinzip auch für Erdgas, Erdöl und Kohle, allerdings ist dieses CO2 in Millionen von Jahren gebunden worden und wird nun schlagartig freigesetzt, während das CO2 des Biogases erst in der vorangegangenen Wachstumsperiode der Atmosphäre entzogen wurde. Biogas ist daher bezogen auf unsere heutige Atmosphäre CO2-neutral. Die Verbrennung von Erdgas, Erdöl und Kohle trägt hingegen dazu bei, dass der CO2-Gehalt weiter verstärkt werden.