Das Bioenergiedorf

Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung
der Universität Göttingen
Dieses Projekt wird gefördert durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR),
Projektträger des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. (BMVEL)
Georg August Universität Göttingen Geowissenschaftliches Zentrum Göttingen
 

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IBR - Göttinger Institut für Bioenergie und Regionalentwicklung e.V.

 

 

 

 

Klimaprobleme - auf der Erde und in der Politik

Über 600 Wissenschaftler des UNO-Gremiums zum Klimawandel (IPCC) haben vor wenigen Wochen einen aktuellen Bericht zur Entwicklung des Weltklimas vorgelegt. Die Ergebnisse des Berichts sind eindeutiger als je zuvor: Die Menschen tragen zu einem wesentlichen Teil zum Treibhauseffekt bei und verursachen damit eine Erwärmung des Erdklimas von 1,8° bis 5,8° C in diesem Jahrhundert.

Die ganze Welt ein Treibhaus

Der Treibhauseffekt beruht auf der Fähigkeit bestimmter Gase in der Erdatmosphäre, die von der Erdoberfläche abgestrahlte Wärme zu speichern. Dies würde auch ohne menschliches Zutun geschehen. Die Menschen setzen aber im großen Umfang zusätzlich Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O), Ozon (O3), FCKW/ HFCKW u. a. frei, so dass sich der Treibhauseffekt steigert. Die Freisetzung der Treibhausgase erfolgt überwiegend durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas, Torf) für die Wärme- und Stromproduktion sowie im Verkehr. Weitere Emissionsquellen sind die Landwirtschaft (Tierproduktion und Reisanbau) und verschiedene Produkte und Produktionsverfahren der Chemieindustrie. Etwa zwei Drittel der Treibhausgase werden von nur etwa einem Fünftel der Weltbevölkerung in den Industrieländern freigesetzt.

Steigende Temperaturen sind nicht immer erfreulich

Die klimatischen Folgen des durch den Treibhauseffekt verursachten Anstiegs der mittleren Temperatur auf der Erde lassen sich nicht bis ins Detail vorhersagen. Der Treibhauseffekt ist ein unkalkulierbares Risiko! In groben Zügen sind die Folgen jedoch abschätzbar. Ein wesentlicher Punkt ist, dass durch das Abschmelzen von Gletschern, Polkappen und Meereisflächen der Meeresspiegel um bis zu 88 cm in diesem Jahrhundert steigen könnte. Da große Teile der Menschheit an Küsten und gletscherwassergespeisten Flüssen leben, sind von den drohenden Überschwemmungskatastrophen und dem Verlust fruchtbaren Landes viele Menschen betroffen.
Überschwemmungen nehmen zu
In den reichen Ländern werden die Schäden durch den Meeresspiegelanstieg nur mit Hilfe immenser Ausgaben für Küstenschutz und Deichbau abgefedert werden können. Die ärmeren Länder können derartige Schutzmaßnahmen jedoch nicht (alleine) finanzieren. Eine weitere Folge des Treibhauseffekts ist die Zunahme von Stürmen, Hitzewellen, Dürren und sintflutartigen Regenfällen. Bereits jetzt melden die Versicherungen stark steigende Kosten für die Beseitigung von wetterbedingten Schäden, wobei auch hier gilt, dass die Menschen in den ärmeren Länder den Katastrophen in der Regel schutzlos ausgeliefert sind. Die Verschiebung der Klimazonen greift zudem in klimaabhängige ökologische Kreisläufe ein. Tiere, Pflanzen und Mikroben können (regional) aussterben, neu auftreten oder sich stark vermehren. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion, die Wasservorräte, die Wüstenbildung etc. und entzieht so den Menschen ihre gewohnte Lebensgrundlage. Bezogen auf Europa sagt der UNO-Bericht beispielsweise zurückgehende landwirtschaftliche Erträge, Wasserknappheit im Sommer, die Verbreitung tropischer Krankheiten und in Städten vermehrt Hitzschläge voraus.
Die Gefahren des Klimawandels bedrohen neben unseren natürlichen Lebensgrundlagen auch die relative Stabilität der internationalen Beziehungen. Denn wenn die Lebensgrundlage durch zunehmende Wasserknappheit, Überschwemmungen oder Ernterückgänge bedroht ist, steigt der Druck, eine andere Verteilung der Ressourcen durchzusetzen. Die Gefahr internationaler Konflikte bis hin zu Kriegen nimmt damit zu. Dieses Risiko steigt nicht nur aufgrund der Klimakatastrophe. Bereits seit langem warnen Friedensforscher vor dem Konfliktpotential, das durch die absehbare Verknappung des für die Industrieländer bislang wichtigsten Rohstoffes, des Erdöls, entsteht.
Ändert sich nichts, wird ein wachsender Teil der öffentlichen und privaten Ausgaben für die Beseitigung der Folgeschäden unserer Produktions- und Lebensweise aufgewendet werden müssen. Den Menschen in den ärmeren Ländern des Südens drohen zusätzliche existenzbedrohende Gefahren durch ein Problem, an dessen Verursachung sie praktisch nicht beteiligt sind.

Was jetzt getan werden muss

An Informationen über diese Probleme hat es bislang kaum gemangelt. Auch an guten Vorschlägen und Absichtserklärungen zur Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen fehlt es nicht. Die ergriffenen politischen Maßnahmen reichen aber bei weitem nicht aus, um den Ausstoß von Klimagasen zu verringern. Insbesondere bei den Klimakonferenzen der Vereinten Nationen (Rio 1992, Kyoto 1997, Den Haag 2000) wird der mangelnde Willen vieler Regierungen an einem gemeinsamen effektiven Vorgehen gegen den Treibhauseffekt deutlich. In den meisten Industrieländern steigt entsprechend der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen weiter an. Das verstärkte Engagement der Bürger bleibt also notwendig, um wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz politisch mehrheitsfähig zu machen und konkrete Ansätze im Alltag zu verwirklichen. Möglichkeiten dazu gibt es viele, sei es die Mitarbeit in Umweltinitiativen und ökologisch ausgerichteten Agenda-21-Gruppen oder ein verändertes Konsumverhalten (z. B. Benzin sparen oder Hausdämmung). Wichtige Bausteine zum Schutz des Weltklimas und zur Vermeidung kriegerischer Konflikte sind zudem Veränderungen bei der Wärme- und Stromproduktion.

   
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